Shrinking Cities - Halle Offen



Die schrumpfende Stadt ist nicht nur zum Zeichen für Arbeitsplatzverlust, schwindende Kaufkraft und Bevölkerungsrückgang geworden, sie ist vor allem auch wahrnehmbarer Ausdruck der Perspektivlosigkeit ihrer Bewohner im gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Wandel. Der Wandel von der nationalen Industrie- hin zur globalen Wissensgesellschaft erlebt ein Großteil der Bevölkerung als Verlust von Sicherheit und Stabilität. Häufig unerkannt bleiben die sich hieraus ergebenden Chancen. Wissen ist eine der wenigen Ressourcen, die sich durch sich selbst vervielfältigen läßt. Wissen kann mehr Wissen schaffen. Diesen Reichtum gilt es nachhaltig zu fördern und als gesellschaftliches Ziel zu benennen.

Die Region Halle/Leipzig ist planmäßig mit institutionalisierten Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen versorgt. Weniger entwickelt ist die Idee der Akademie, als einem Ort des Gesprächs, des gegenseitigen, wissenschaftlichen und kulturellen Austausches. Prototypisch soll in Halle eine Freie Akademie, "HALLE OFFEN", für einen zunächst begrenzten Zeitraum von fünf Jahren, initiiert werden. Die Akademie soll jenseits von politischen, religiösen oder staatlichen Zielen Orientierung geben. Bildung schafft Lebenschancen.

Ein Gebäude, das sich seit Jahren der ökonomischen Verwertung entzieht, wird von der Eigentümerin kostenfrei zur Verfügung gestellt, um neue Formen des städtischen Austausches zu erproben. Ziel des Projektes ist es auch, darzustellen, daß ein Stadtzentrum mehr ist als ein Ort des Konsums. Die Freie Akademie ist ein Experiment der Reurbanisierung. Es kann exemplarisch zeigen, wie öffentliche Inanspruchnahme von Gebäuden als Pionierleistung als urbanes Potential funktioniert.

Interessierte Besucher und "freie Akademiker" nehmen sich des neuen Akademiegebäudes an, richten es mit einfachen, eigenen Mitteln her. Das Gebäude wird zur ersten Auseinandersetzung untereinander, wird zur Aufgabe und zur Zukunftschance. Gleichzeitig erwacht das alte Denkmal aus seinem Dornröschenschlaf, beginnt sich zu ändern, zu bewegen und aufzuleben.

Wettbewerb 2. Phase
2004
Mit Andreas Fritzen, Johannes Kister, Ronald Kunze


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